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Sonnenschutzglas

Im Sommer angenehm kühle Räume, die im Winter mollig warm bleiben. Ein Traum? Mitnichten: Dank spezieller Verglasung ist beides möglich. Das kleine Einmaleins der Sonnenschutzgläser.

Schutz vor Hitze

Anders als der Name vermuten lässt, schützt Sonnenschutzglas nicht vor der Sonne per se, sondern nur vor einem Zuviel an Sonnenenergie. Sonnenschutzgläser können bis zu 82 % der einstrahlenden Wärme abhalten und so die Innenraumtemperatur um 2 % bis 5 % senken. Das gesunde Tageslicht dagegen gelangt ins Innere – lichtdurchflutete Räume und ein angenehmes Raumklima sind das Ergebnis. Doch Sonnenschutzgläser können nicht nur verhindern, dass sich Räume im Sommer übermäßig stark aufheizen: Als Isoliergläser besitzen sie zudem wärmedämmende Eigenschaften – verfügen also neben einem niedrigen Gesamtenergie-Durchlassgrad (g-Wert) ebenfalls über einen sehr guten Wärmedurchgangs-Koeffizienten (U-Wert). Damit ist Sonnenschutzglas streng genommen eigentlich ein Hitzeschutzglas.

Absorption oder Reflexion

Ihre Wirkung entfalten Sonnenschutzgläser durch energetische Absorption oder aber Reflexion. Das klassische gefärbte Absorptionsglas entsteht, wenn bei der Glasschmelze Pigmente wie Eisen- oder Kupferoxid beigemischt werden. Es nimmt die eingehende Sonneneinstrahlung auf und gibt die Energie nur noch in geringem Maß nach innen als Wärme ab; den größten Teil leitet es nach außen zurück. Beim Reflexionsglas dagegen sorgt eine Beschichtung aus Gold, Silber oder Kupfer für einen geringeren Energieeintrag. Auf der Innenseite der äußeren Glasscheibe aufgetragen, reflektiert sie die Wärmestrahlung dahin, wo sie herkommt, lässt aber einen großen Teil der sichtbaren Lichtfrequenzen ins Haus. Der Beschichtungsprozess erfolgt entweder pyrolytisch während der Glasherstellung oder anschließend im Magnetron-Verfahren. Beim pyrolytischen Verfahren werden unmittelbar nach der Glasschmelze Metalloxide auf das noch heiße Glas im Floatbad aufgesprüht. Diese brennen sich in das Glas ein und bilden ein „Hardcoating“, mit dem das Glas problemlos gebogen und thermisch vorgespannt werden kann. Mittlerweile setzen sich zunehmend die im Magnetron-Verfahren aufgebrachten „Softcoatings“ durch. Denn sie ermöglichen es, das Glas sehr dünn, gleichmäßig und präzise mit Edelmetallen zu beschichten – auch in mehreren Lagen. Farbneutralität und Lichttransmission der Gläser sind dabei meilenweit vom Verdunkelungseffekt der ersten Sonnenschutzgläser aus den Sechzigerjahren entfernt.

Moderne Hightech-Lösung

Die ersten Sonnenschutzgläser bestanden noch aus eingefärbtem Glas. Das senkte zwar die Sonneneinstrahlung, aber auch den Lichteintrag. Darüber hinaus beeinträchtigte das die Sicht nach draußen und sorgte gerade im Winter für kalte und dunkle Räume. Zum Glück hat sich seitdem einiges getan: Statt das Glas durchzufärben, kommen heute elaborierte Beschichtungen zum Einsatz, die nur bestimmte Frequenzanteile des Lichts ausfiltern und damit ein ausgewogenes Verhältnis von Lichttransmission und Wärmeeintrag erreichen – bei uneingeschränkter Sicht nach draußen und hellen Räumen. Je nach Glasdicke, Beschichtungsart und gewünschter Färbung verfügen moderne Isolierverglasungen mit High-End-Sonnenschutz über unterschiedliche Eigenschaften, die sich optimal an die jeweiligen Bedingungen anpassen lassen. So können sie zusätzlich Schallschutz und Absturzsicherung bieten, plan oder gebogen, farbig, klar oder reflektierend sein sowie verschiedene Größen und Formen haben. Zusätzlichen Blend- und Sichtschutz bieten schaltbare Gläser, die Lichttransmission und Opazität auf Knopfdruck ändern, sowie integrierte Systeme mit Jalousien oder Rollos im Scheibenzwischenraum.

Kleine Kennzahlenkunde

g-Wert: Gesamtenergie-Durchlassgrad; gibt an, wie viel Sonnenwärme durch das Glas in den Raum gelangt. Der g-Wert sollte bei effizienten Sonnenschutzgläsern zwischen 0,2 und 0,4 liegen.

U-Wert: Wärmedurchgangskoeffizient; Maßeinheit, die beschreibt, wie viel Energie durch Verglasung (Ug), Fensterrahmen (Uf) und Fenster (Uw) nach draußen entweicht – je niedriger, desto besser.

LT-Wert: Lichttransmission; benennt den Anteil des Tageslichts, der durch das Glas ins Rauminnere gelangt – sollte möglichst hoch sein, üblich sind 40–80 %.

Ra: Farbwiedergabeindex; bemisst, wie naturgetreu Farben durch das Sonnenschutzglas zu erkennen sind – Ra-Werte ≥ 90 % bedeuten eine sehr gute Farbwiedergabe.

b-Faktor: Beschattungskoeffizient; bezeichnet das Verhältnis vom g-Wert der bewerteten Verglasung zum g-Wert einer Isolierglasscheibe ohne Beschichtung, der mit 80 % angesetzt wird. Entscheidende Größe zur Berechnung der Kühllast und ein Maß der Sonnenschutzwirkung.

S: Selektivität; gibt das Verhältnis von Lichttransmission (LT) zum Gesamtenergie-Durchlassgrad (g-Wert) an – leistungsstarke Gläser bieten eine Selektivität von ca. 2.

 

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